Im Rahmen einer Heizungerneuerung in bestehenden Gebäuden ist es nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Oldenburg vom 09.10.2013 (Aktenzeichen 3 U 5/13) nicht ausreichend, wenn die neue Anlage tatsächlich nur mit umfangreichen Dämmmaßnahmen an der Gebäudehülle wirtschaftlich betrieben werden kann. Der Bundesgerichtshof hat das Urteil

jüngst in Form einer "Zulassungsbeschwerde gegen die entsprechende Entscheidung" am 13.07.2016 als rechtskräftig bestätigt (Aktenzeichen VII ZR 305/13).

Im zugrunde liegenden Fall klagte ein Bauherr auf Rückabwicklung einer Wärmepumpeninstallation. Aufgrund der, nach seiner Ansicht nach einseitigen Beratung des Fachunternehmers entschied er sich zur Installation einer Wärmepumpe in einem nicht hinreichend gedämmten Gebäude. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass zum wirtschaftlichen Betrieb dieser Wärmepumpe zusätzliche Maßnahmen und nicht nur der alleinige Austausch der alten Heizanlage erforderlich gewesen wären. Der Bauherr verlangte daher die Rückabwicklung des Vertrages.

Das Gericht folgte dieser Meinung, da von einem Fachunternehmen in der Regel ein detaillierteres Fachwissen als von einem Auftraggeber erwartet werden kann und das Unternehmen daher den Prüf- und Hinweispflichten eines Unternehmens nachkommen muss, auf die der Auftraggeber nach Treu und Glauben dann eine Kaufentscheidung fällen kann. Ist eine umfassende Beratung nicht erfolgt und kann die Wirtschaftlichkeit ohne weitere Maßnahmen nicht erreicht werden, steht dem Auftraggeber das Recht zu, die Zahlung zu verweigern und die Rückabgewicklung des Vertrags zu verlangen.


Anmerkung des Autors:

Im Prinzip ist dieses Urteil durch den Verweis auf die "Prüf- und Hinweispflichten" eines Unternehmens wohl auch gewerkeübergreifend zu sehen und trifft somit nicht nur das SHK-Handwerk. Denn die Realisierung einzelner Maßnahmen ohne Berücksichtigung bauphysikalischer oder nutzungsbedingter Abhängigkeiten führt in den meisten Fällen nicht zu der gewünschten Wirtschaftlichkeit ohne die Anfälligkeit des Baukörpers gegenüber Feuchtelasten zu erhöhen; hingegen sich die Rückabwicklung ortsfester Installationen vermutlich aber schwieriger gestalten werden dürfte, als bei einer Heizungsanlage.

Eine ganzheitliche Beratung in Form einer produkt- und herstellerunabhängigen Energieberatung im Sinne der Bauschadensfreiheit ist im Vorfeld einer Kaufentscheidung daher generell angeraten. Bei der Wahl des Beratungsangebots sollte sich der Bauherr zudem nicht auf billige Initialberatungen, sondern auf fundierte, objekt- und fallbezogene Beratungsprodukte wie etwa der "vor-Ort-Beratung" der Bundesanstalt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle [BAFA] oder einer freien Energieberatung im Rahmen eines Effizienz-, Niedrigenergie- oder Passivhauskonzeptes der KfW durch zugelassene Experten beziehen. Im Rahmen dieser umfassenden Betrachtungskonzepte erhält der Bauherr für das Objekt und den Geldbeutel vorteilhafte und zukunftsfähige Entscheidungshilfen ohne im Zwang einer Kaufentscheidung zu stehen.

Gefunden bei: https://dejure.org/2013,74052

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