Die dem Heizwärmeerzeuger näherliegenden Heizkörper erhalten bei hydraulisch nicht oder schlecht abgeglichenen Heizkreisen zuviel und weiter entfernte Heizkörper zuwenig oder garkeine Wärme mehr. Ein typisches Indiz für einen nicht abgeglichenen Heizkreis sind klappernde oder pfeifende Ventile und viel zu hoch eingestellte Pumpenleistungen. Auch wenn die eingebrachte Heizleistung dem Gebäude indirekt über die Heizkreisverluste zu gute kommt, so sind die ungeregelten Heizwärmeverluste und die Pumpenleistung unnötigerweise viel zu hoch und die Raumbehaglichkeit mangels schlechter Regelbarkeit eingeschränkt.

Wie bei nahezu allen Förderprogrammen geht der Gesetzgeber auch in den einschlägigen Geäudesanierungsprogrammen der KfW und des BAFA über die Mindestanforderungen als Förderbedingung hinaus und fördert energetische Sanierungen nur noch

dann, wenn auch eine Optimierung der Heizkreise hinsichtlich Minimierung von Wasserumlaufverlusten und der Heizanlage erfolgt. Bei der Fortscheibung der sich verschärfenden Anforderungen zum Klimaschutz wird es ohne einen hydraulischen Abgleich daher zukünftig keine, bzw. weniger Subventionierungen geben.

Typische Symtome für nicht abgeglichene Heizkreise sind:

  • einige Räume werden bei Kälte nicht warm, andere viel zu heiß
  • Pumpleistung überwiegend zu hoch
  • Klappernde oder pfeifende Heizungsventile durch zu hohen Pumpendruck
  • Heizkreisverluste reichen zur Gebäudeheizung aus ohne das Thermostatventile getätigt werden
  • Pumpenleistung verursachen hohen Stromverbrauch (stiller Verbraucher)
  • Heizkessel springt häufiger an und läuft im Jahr an mehr Tagen als erforderlich

Um einen Heizkreis hydraulisch abzugleichen gibt es zwei Möglichkeiten:

Verfahren A (Regelleistung nach VOB Teil C)

Hierbei findet eine überschlägige Ermittlung der erforderlichen Parameter, etwa flächenanteilig über die Gebäudeheizlast auf den jeweiligen Raum bezogen statt.

Verfahren B (Premiumleistung)

Nach Verfahren B findet eine detailierte raumweise Berechnung der Heizlast- und der Volumenstromberechnung nach DIN EN 12831 (Heizlastberechnung) statt. Berechnet wird hierbei Raumweise der Wärmeübergang gegenüber Außenluft und den angrenzenden Räumen sowie die Lüftungsverluste. Berücksichtigt werden zudem solare Erträge und interne Lasten je Raum. Der Berechnungsaufwand ist entsprechend hoch und wird in der Regel EDV-gestützt berechnet.

Zum Abgleich sind folgende Maßnahmen mindestens erforderlich:

  • Einstellung der Thermostatventile
  • Einstellung von Differenzdruckreglern bei Zweirohrheizungen und Flächenheizungen
  • Strangregulierventile und Volumenstromregler bei Einrohrheizungen

Das Verfahren A zur Durchführung des hydraulischen Abgleichs bleibt zunächst zulässig

Der hydraulische Abgleich von Heizkreisen ist notwendig um Wärme in Gebäuden gleichermaßen in allen Räumen mit einem möglichst geringen Pumpenaufwand zu verteilen. Mit einem hydraulischen Abgleich wird die umlaufende Heizungswassermenge an die jeweilige Raumheizlast angepasst. Der Heizkörper erhält dann nur noch die Wassermenge, die zur Sicherstellung der Heizleistung unter Nennlast (Innen 20 °C, außen je nach Standort -10 bis -12 °C) erforderlich ist ohne das die Behaglichkeit darunter leidet (das Gegenteil ist meist eher der Fall). Die Energieverluste nehmen im abgeglichenen Heizkreis ab und die Regelbarkeit in den einzelnen Räumen zu.

Für Neubauten ist der hydraulische Abgleich "Stand der Technik" und somit Regelleistung, für Bestandsgebäude ist der hydraulische Abgleich jedoch (noch) keine Pflicht bei Sanierung nach den Mindestanforderungen der EnEV, da hier die Auftragsvergabe in der Regel nicht nach VOB/C erfolgt.

Entfristung, neue Förderung, neue Fachregel

Das Verfahren A war zunächst nur noch bis Ende 2016 in den KfW- und BAFA-Programmen zulässig. Aufgrund der Komplexität zur Ermittlung der Randparameter im Verfahren B die etwa im Rahmen einer Energieberatung oder einer ähnlich gelagerten Konzepterstellung zunächst über die Zielsetzung der Beratungsleistung hinaus geht, erfolgte im Juni 2016 zunächst eine generelle Entfristung.

Variante A bleibt für folgende Förderprodukte zunächst auch nach dem 31.12.2016 gültig:

  • KfW - Einzelmaßnahmen
  • BAFA - Heizungsoptimierung

Variante B ist für folgende Förderprodukte nach dem 31.12.2016 grundsätzlich erforderlich:

  • KfW - Heizungspaket
  • KfW - Effizienzhausniveau

Detaillierte Informationen rund um den hydraulischen Abgleich finden Sie auch auf den Webseiten des VDZ e.V..

Neue VdZ-Fachregel

Zur Umsetzung der neuen Regelung hat die VdZ-Projektgruppe die Fachregel „Optimierung von Heizungsanlagen im Bestand“ und das Bestätigungsformular überarbeitet. Das Fachhandwerk findet hier Unterstützung bei der Durchführung des hydraulischen Abgleichs und erhält detaillierte Informationen zu den erforderlichen Leistungsumfängen nach Verfahren A und B.

Neue Förderung

Der hydraulische Abgleich ist in den Heizungsanlagen die nach der ersten Heizanlagenverordung errichtet wurden eine gut durchführbare Möglichkeit mit relativ geringem Aufwand eine deutliche Energieeinsparung zu bewerkstelligen. Zu Erschließung des Einsparpotentials in bestehenden Heizanlagen stellt das BAFA seit dem 1. August 2016 das Förderprogramm "Heizungsoptimierung" mit einer Förderung von 30 % und die Kfw in den einschlägigen Sanierungsprogrammen für Wohngebäude deutlich höhere Tilgungszuschüsse zur Verfügung..

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