Eine Luftwechselratenmessung ist dann erforderlich, wenn erhöhte Anforderungen hinsichtlich Ausführungsqualität, Schallschutz, Energieeffizienz, Behaglichkeit oder Hygiene an eine Nutzungseinheit gestellt werden.

Nach den gesetzlichen Mindestanforderungen der Energieeinsparverordnung [EnEV] ist ein Gebäude "so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig entsprechend den anerkannten Regeln der Technik abgedichtet ist. Die Fugendurchlässigkeit außen liegender Fenster, Fenstertüren und Dachflächenfenster muss den Anforderungen nach Anlage 4 Nummer 1 genügen." [Zitat EnEV 2009 §6]

Grafik: "Gegenspieler: Mindestluftwechsel und höchstzulässiger Luftwechsel"

In der EnEV wird eine Messung zunächst nicht zwingend vorgeschrieben (EnEV §6 Abs. 1 Satz 3), sofern keine der zuvor genannten Kriterien bei Planung und Bau zugrunde gelegt wurden und man den Aussagen der ausführenden Unternehmen hinsichtlich hergestellter Dichtigkeit uneingeschränkt Glauben schenkt. Gebäude ohne qualitative oder nicht über die EnEV-Mindestanforderungen hinausgehende Anforderungen müssen somit nicht in jedem Fall gemessen werden.

Im Umkehrschluss ist eine Luftwechselratenmessung allerdings dann erforderlich, wenn normative, gesetzliche oder qualitative Auflagen dies erfordern oder ein gewähltes Lüftungsverfahren oder ein Fördergeber wie KfW, BAFA, progresNRW, etc. mit erhöhten technischen Mindestanforderungen eine Sicherstellung der Gebäudedichtigkeit zum Wärmeschutz notwendig werden lassen.

Eine sichere Gebäudeentfeuchtung und ein nachweislich niedriger Energieverlust sind nur mit einer planvollen Umsetzung und Kontrolle möglich. Eine Messung der verbliebenen Luftwechselrate gibt somit Aufschluss, ob die Anforderungen an den Wärmeschutz eingehalten wurden, ob keine feuchtekritischen Fehlstellen mehr bestehen und ob der Mindestluftwechsel über Ritzen- und Fugen für die Gebäudeentfeuchtung noch ausreicht.

Unerkannte feuchtekritische Fehlstellen gelten im Streitfall als verdeckter Mangel mit einem verlängerten Haftungzeitraum. Ausführende Unternehmen tun also auch im eigenen Interesse vor Unterzeichnung des Übergabeprotokolls oder der Fachunternehmererklärung gut daran, zumindest eine Fehlerbeseitigung bei Unterdruck durchzuführen.

Gebäude ohne lufttechnische Maßnahmen

Wenn nicht gemessen wird:

Die EnEV bzw. DIN 4108-7 legt für nicht gemessene Gebäude in Planungsgrundlagen für Neubauten pauschal eine schlechtere Luftwechselzahl von 0,7 h-1 (entspricht etwa einer Luftwechselrate n50 von 4,0 h-1) zugrunde. Diese pauschale Schlechterstellung durch angenommen höhere Lüftungsverluste in der Energiebilanz eines Gebäudes führt dazu, dass in den öffentlichrechtlichen Nachweisen oft unnötige dämm- und anlagentechnische Ersatzmaßnahmen eingeplant werden müssen. Das kostet unnötig Geld: Nicht selten liegen die Kosten für stärkere Dämmung, bessere Fenster, Raumverlust und so weiter bei mehreren tausend Euro für ein Einfamilienhaus. Geld was in dem meisten Fällen fehlt und bei nicht pauschaler Betrachtung nach Norm an den richtigen Stellen investiert mehr Energie einsparen würde.

An nicht gemessenen Gebäuden steigt zudem die Gefahr einer vorab nicht erkannten dauerhaften Unterschreitung des Mindestluftwechsel. Richtiges Lüften wird so zu Glücksspiel mit den Folgen zu hoher Feuchtelasten in den Räumlichkeiten.

Wenn gemessen wird:

Wird für ein nach EnEV bzw. DIN 4108-7 geplantes Gebäude ohne Lüftungsanlage der pauschale Berechungsbonus für verminderte Lüftungsverluste mit einer Luftwechselzahl von 0,6 h-1 zugrunde gelegt (Anforderungswert Luftwechselrate n50 von ≤ 3,0 h-1), muss eine Messung als Bestätigung einer Unterschreitung des angesetzten Wertes durchgeführt werden.

Wird für ein nach EnEV bzw. DIN V 18599 geplantes Gebäude ohne Lüftungsanlage der pauschale Berechungsbonus für verminderte Lüftungsverluste mit einer Luftwechselzahl von 0,6 h-1 zugrunde gelegt (Anforderungswert Luftwechselrate n50 von ≤ 2,0 h-1), muss eine Messung als Bestätigung einer Unterschreitung des angesetzten Wertes durchgeführt werden.

Gebäude mit lufttechnische Maßnahmen

Wird für ein nach EnEV bzw. DIN 4108-7 geplantes Gebäude mit Lüftungstechnik ausgestattet, muss der pauschale Berechungsbonus für verminderte Lüftungsverluste mit einer Luftwechselzahl von 0,6 h-1 zugrunde gelegt werden. Die zulässige Luftwechselrate n50 halbiert sich in diesem Fall von 3,0 h-1 auf 1,50 h-1 (entspricht einer Luftwechselzahl von 0,55 h-1). Eine Messung als Bestätigung einer Unterschreitung des angesetzten Wertes muss durchgeführt werden.

Wird für ein nach EnEV bzw. DIN V 18599 geplantes Gebäude mit Lüftungstechnik ausgestattet, muss der pauschale Berechungsbonus für verminderte Lüftungsverluste mit einer Luftwechselzahl von 0,6 h-1 zugrunde gelegt werden. Die zulässige Luftwechselrate n50 halbiert sich in diesem Fall von 2,0 h-1 auf 1,0 h-1 (entspricht einer Luftwechselzahl von 0,55 h-1). Eine Messung als Bestätigung einer Unterschreitung des angesetzten Wertes muss durchgeführt werden.

Zu den lüftungstechnischen Maßnahmen gehören alle Arten von mechanischen Zu- und Abluftanlagen (außer Dunstabzug und Kaminzug).

 

Wann ist eine Luftwechselratenmessung empfehlenswert?

Eine Luftwechselratung auch immer dann empfehlenswert, wenn keine speziellen Anforderungen an die Gesamtdichtigkeit des Gebäudes gestellt werden, denn alle Fugen am Bau müssen gewerkespezifische normative Dichtigkeitsanforderungen erfüllen. Eine vollständige Gewerkeabnahme ohne Überprüfung der Bauteildichtigkeit kann daher nicht erfolgen.

als Qualitätssicherungsmaßnahme

Eine Luftwechselratenmessung als Qualitätssicherungsmaßnahme ist zur Bewertung des hergestellten Fugendurchlasskoeffizienten

  • des Innenputzes
  • des Trockenbaus
  • der Fenster und Türen bezüglich Sitz und Montage
  • in den Gewerken Sanitär-, Heizungs-, Lüftungsinstallationen an
    • Rohrführungen
    • Dachentlüftungen
    • Zu-Abluftöffnungen von Dunstabzug
    • Lüftungsanlage
    • Durchdringungen Wäschetrockner
    • Be- und Entlüftungsöffnungen (z.B. Betriebsräume, Fahrschächte, etc.)
  • von Elektroinstallation etwa in Außenwänden und Innenwänden in Dachgeschossen
  • an Feuerstätten zur Sicherstellung einer ausreichenden Verbrennungsluftversorgung und der Dichtigkeit des Abgasweges
  • und mehr

empfehlenswert.

zur Sicherstellung eines ausreichenden Schallschutzes

Schall überträgt sich über Bauteile (Körperschall) und über die Luft (Luftschall). In nicht ausreichend gedämmten und luftdichten Gebäuden kann der erforderliche Luftschallschutz nicht gewährleistet werden. Eine Messung und Leckageortung unter besonderer Berücksichtigung von Schallbrücken ist in diesem Fall sinnvoll.

zur Sicherstellung heute üblicherweise erhöhter Behaglichkeitsanforderungen

Luft ist das universelle Transportmedium für Wärme, Feuchte, Gerüche. Eine gute thermische Behaglichkeit besteht dann, wenn für die angedachte Nutzung ausreichend Wärme in einen Raum/eine Nutzungseinheit eingebracht werden kann und Feuchte und Schadstoffe ohne Nutzereingriff ausreichend gut ausgetragen werden. Zur Sicherstellung einer erhöhten Behaglichkeit muss die Gebäudehülle zur Vermeidung erhöhter Lüftungsverluste möglichst dicht sein. Eine Messung zur Sicherstellung der Gebäudequalität ist hier erforderlich.

zur Sicherstellung der geplanten Energieeffizienz

In niedrigenergetischen Gebäuden wird nicht weniger Energie eingebracht als in bisherigen Gebäuden. Hier wird die Energiemenge jedoch möglichst mehrfach zurückgewonnen und wieder eingesetzt, so dass nach dem erstmaligen Anfahren des Gebäudes deutlich weniger Energie zugekauft werden muss. Dabei werden Feuchte und Gerüche aus dem Gebäude ausgetragen und frische Außenluft kontinuierlich über einen Wärmetauscher zugeführt. Wem ein kontinuierliche Frischluftzufuhr immer noch nicht ausreicht, kann nach wie vor energieintensiv per Fensterlüftung zulüften (was allerdings die Energiebilanz ruiniert). Zur Sicherstellung einer erhöhten Energieeffizienz muss die Gebäudehülle zur Vermeidung erhöhter Lüftungsverluste und ungleicher Zu- und Abluftströme (max. 10% Differenz zulässig) möglichst dicht sein. Eine Messung zur Sicherstellung der Gebäudequalität ist hier erforderlich.

zur Sicherstellung der Hygiene

Zu den hygienischen Anforderungen zählen Gerüche, Feuchte aber auch Staub und Pollen. Zur Vermeidung von zu hohen Geruchs-, Feuchte-, Staub- und Pollenlasten sind lüftungstechnische Maßnahmen unter Verwendung von entsprechenden Filtern in den Zuluftöffnungen sinnvoll. Die Infiltrationsverluste über die Gebäudehülle sollten für einen wirksamen Schutz und möglichst geringe Energieverluste so gering wie möglich ausfallen.

zur Sicherstellung des Mindestluftwechsels

Sinnvoll ist eine Luftwechselratenmessung insbesondere auch zur Bestimmung ob der nach EnEV erforderliche, nutzungsabhängige Mindestluftwechsel einer Nutzungseinheit über Ritzen und Fugen zur sicheren Entfeuchtung ausreicht (siehe auch Lüftungskonzept). Der von Pettenkofer in die Welt gesetzte und schnell widerrufene Mythos der "atmenden Wände" lässt sich durch eine Messung bei der heute üblicherweise dichten Bauweise leicht "entzaubern".

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